Die Bestrahlungstechnik hat große Fortschritte gemacht: Sie erfolgt heute erheblich zielgenauer und schonender für das gesunde Gewebe. Trotzdem berichten manche Betroffene nach einer Bestrahlungsserie von gynäkologischen oder urologischen Tumoren über gesundheitliche Schwierigkeiten — eine Strahlenzystitis, also eine chronische Blasenentzündung mit krampfartigen Schmerzen und Blutungen, die auch Bluttransfusionen erfordern kann, oder Enddarmentzündungen (Strahlenproktitis) mit krampfartiger Stuhlentleerung, häufigem Stuhldrang, Durchfällen und Blutungen beim Stuhlgang und beim Sitzen. Solche Beschwerden lassen sich oft nicht mit herkömmlichen Methoden erfolgreich behandeln. Studien bestätigen, dass die HBO solche Strahlenfolgen zuverlässig bessert, auch wenn die bisherige Behandlung erfolglos war.
Hyperbare Sauerstofftherapie als große Heilungschance nachgewiesen
Dr. med. Christian Heiden, damaliger Vorsitzender des Verbandes Deutscher Druckkammerzentren VDD e.V. und onkologisch tätiger Arzt, erklärte dazu: „Frühere Bestrahlungsserien können oft noch nach Jahren zu unangenehmen Beschwerden und Begleiterkrankungen führen. So segensreich Bestrahlungsbehandlungen sind, sie können auch das umliegende gesunde Gewebe treffen und später die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Besonders strahlenempfindlich sind die kleinen Blutgefäße bei Prostata-Bestrahlungen sowie die Darm- und Blasenschleimhaut.” Genau hier setzt die HBO an: Die Sauerstoffatmung unter Überdruckbedingungen in einer Therapie-Druckkammer löst den Sauerstoff im Blut um ein Vielfaches. Das mit einem Überangebot an Sauerstoff versorgte, durch Bestrahlung geschädigte Gewebe kann so regenerieren, die chronische Entzündung ausheilen und die Blutung zum Stillstand kommen.
Neue Lebensqualität für Krebspatienten mit Strahlenschäden
„Die geschwächte Blase regeneriert unter der HBO. Transfusionen werden seltener erforderlich, können oft ganz vermieden werden. Damit entfallen auch das transfusionsbedingte Infektionsrisiko und andere Komplikationen bis hin zur Blasenentfernung”, erklärte Heiden weiter. „Auch beim Prostatakrebs-Patienten hilft die HBO, das bestrahlte Gewebe und vor allem die regionalen Blutgefäße zu erneuern und so eine nachhaltige Verbesserung der Blutversorgung und Sauerstoffzufuhr sicherzustellen. Ein künstlicher Darmausgang muss bei einer Strahlenproktitis nicht zwingend sein.”
Druckkammern und Zentren für Hyperbarmedizin gibt es in ganz Deutschland; die Beratung durch die dortigen Fachärzte ist kostenlos. Betroffene sollten diese kostenlose Beratung nutzen, um unangenehme und einschränkende Beeinträchtigungen nach einer Strahlenbehandlung zu vermeiden.
