Der Vorstand des Verbandes Deutscher Druckkammerzentren e.V. (VDD), Dr. med. Christian Heiden, warnte vor der irreführenden Verwendung des Begriffs „Hyperbare Sauerstofftherapie”, wie sie in verschiedenen Gesundheitsportalen im Internet verbreitet wurde: „Anbieter von in ihrer Wirkung ungesicherten Therapien verwenden den Begriff ‚hyperbar’, ohne die Kriterien der Hyperbaren Sauerstofftherapie HBO auch nur ansatzweise zu erfüllen, und stellen damit falsche Zusammenhänge her.”
Was bedeutet „hyperbar” und hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)?
Der Begriff „hyperbar” bedeutet Überdruck. Dieser Überdruck wird bei der HBO ausschließlich in einer Therapie-Druckkammer erzeugt, in der Patienten Sauerstoff über eine Atemmaske einatmen. Unter Überdruck löst sich der Sauerstoff im Körper um ein Vielfaches und führt zu einem deutlich höheren Sauerstoffpartialdruck. Damit werden vielfältige, bei Sauerstoffmangel beeinträchtigte Körperfunktionen in Gang gesetzt oder unterstützt: Bindegewebszellen werden vermehrt, Gefäße neu gebildet, Bakterien in Wunden bekämpft, die Funktion der weißen Blutkörperchen wird verstärkt, Gewebeschwellungen werden vermindert, die Immunlage und der Zustand von Knochen verbessern sich. „Unter HBO-Therapie erreicht Sauerstoff selbst Regionen im Körperinnersten. Diesen Effekt erzielt keine andere Sauerstoff-Anwendung”, betonte Heiden.
Hyperbare Sauerstofftherapie hat nichts mit Eigenblutbehandlungen und Ozontherapien zu tun
Heiden wies darauf hin, dass das Applizieren von Sauerstoff oder Ozon in das Blut, selbst unter Überdruck, die Kriterien einer Hyperbaren Sauerstofftherapie nicht erfüllt: „Weder die Inhalation von Sauerstoff noch die Anreicherung von Blut führt zu therapeutischen Effekten, die einer HBO auch nur andeutungsweise entsprechen. Wissenschaftliche Studien über den Behandlungserfolg beispielsweise durch eine Anreicherung von begrenzten Mengen von Blut fehlen zudem völlig. Über viele Einsatzbereiche der HBO liegen dagegen aussagekräftige Studien vor.” Heiden kritisierte in Umlauf gebrachte Begrifflichkeiten wie „Hyperbare Aktiv-Sauerstoff-Therapie”, bei der außerhalb des Körpers Blut mit Ozon angereichert wird, oder eine sogenannte „hyperbare große Eigenblutbehandlung”: „Die HBO ist unblutig. Die Patienten atmen in einer Druckkammer über eine Maske Sauerstoff. Die Entnahme oder gar Rückführung von Blut des Patienten ist absolut überflüssig. Die HBO vermeidet bewusst die damit verbundenen Gefährdungen von Patienten.”
VDD hat Zugang zu mehr als 3.500 Studien zur hyperbaren Sauerstofftherapie
Zur HBO gibt es eine Fülle an Literatur, die in sehr vielen Fällen höchste Ansprüche erfüllt. „Die HBO ist gut erforscht bei den Indikationen Hörsturz, Tinnitus, Knalltrauma bzw. Schalltrauma, nicht heilenden Wunden — speziell dem diabetischen Fußsyndrom —, Knochenmarködemsyndrom an Knie, Schulter, Hüfte und Fußwurzel, spät auftretenden Folgen nach Krebsbestrahlung an Kopf, Hals, Blase oder Darm, Fazialisparese, interstitieller Zystitis und Retinitis pigmentosa”, erklärte Heiden.
Gasförmiger Sauerstoff (O₂), wie er in der HBO verwendet wird, und Ozon (O₃) sind unterschiedliche Sauerstoffverbindungen. „Ozon-Behandlungen, die mit dem Etikett ‚hyperbar’ versehen werden, schädigen nicht nur den Ruf der regelgerecht angewandten Hyperbaren Sauerstofftherapie, sondern erfüllen darüber hinaus den Tatbestand der Täuschung gutgläubiger Patienten, weil sie keine wissenschaftlich begründete Basis haben und sich mit dem Wort ‚hyperbar’ quasi an die Seite einer evidenzbasierten Therapieform stellen”, kritisierte Heiden.
